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Viele Pflegebedürftige und Angehörige sind auf Tagespflege-Einrichtungen stark angewiesen.  Foto: Gustavo Alàbiso/epd-Bild

Viele Pflegebedürftige und Angehörige sind auf Tagespflege-Einrichtungen stark angewiesen.  Foto: Gustavo Alàbiso/epd-Bild

23. Juli 2020
Tagespflege-Einrichtungen dürfen langsam wieder öffnen

"Einen zweiten Lockdown würden viele nicht überstehen"

Nach wochenlanger Schließung dürfen die Tagespflege-Einrichtungen in Niedersachsen nun wieder öffnen – mit eingeschränktem Betrieb. Experten weisen auf die wichtige Bedeutung der Einrichtungen speziell für Menschen mit Demenz hin und warnen vor einem weiteren Lockdown.

Wie viele andere Einrichtungen kann auch die Tagespflege in Goslar weiterhin nur 60 Prozent der Kapazitäten ausschöpfen. "Mehr als zwölf Gäste pro Tag sind unter Einhaltung der Abstandsregeln in unseren Räumlichkeiten definitiv nicht machbar", sagt die Leiterin der Einrichtung, Birgit Fuhrmann. Hinzu komme die aufwendige Organisation des Fahrdienstes. Zwar dürfe ihr Fahrer mittlerweile durch eine Sondergenehmigung des Gesundheitsamtes wieder bis zu drei Personen auf einmal einsammeln, allerdings müsse vorher die Körpertemperatur aller Mitfahrer gemessen und das Fahrzeug nach jeder Fahrt gelüftet werden. "Das kostet alles Zeit, so dass mehr als zwei bis drei Fahrten pro Tag für uns nicht drin sind", erklärt Fuhrmann.

Im Zuge der Corona-Pandemie waren im April bundesweit die Tagespflegen für mehrere Wochen geschlossen worden. Lediglich eine Notfallbetreuung für besonders Bedürftige konnte noch stattfinden. Der Großteil der Gäste konnte mancherorts monatelang das Angebot nicht nutzen, was sich laut Experten teilweise dramatisch ausgewirkt hat. "Speziell für demenzkranke Menschen sind Routinen und der Kontakt zu Personen außerhalb des eigenen Haushalts enorm wichtig", erläutert Susanna Saxl von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in Berlin. Sowohl geistig als auch körperlich hätten viele Pflegebedürftige ohne die täglichen Strukturen abgebaut. Mit nachhaltigen Folgen: "Was einmal an Fähigkeiten verloren geht, ist bei Demenzerkrankten nur sehr schwer wieder aufzubauen", sagt Saxl.

Bei einer möglichen zweiten Corona-Welle dürfe es daher auf keinen Fall zu einer erneuten Schließung der Tagespflege kommen, fordert Dagmar Henseleit, Pflegereferentin der Diakonie in Niedersachsen. "Sollte es zu einem zweiten Lockdown kommen und die Betroffenen noch einmal wochenlang auf sich allein gestellt sein, würden das weder die Angehörigen noch die Pflegebedürftigen überstehen", zeigt sie sich besorgt. Ohnehin werde der Wert der Pflege oft unterschätzt. "Die Politik nimmt die Tagespflege eher als Beschäftigungstherapie von Rentnern wahr und verkennt dabei die medizinische Bedeutung der Angebote", sagt die Referentin.