Demenz
ALTENPFLEGE 2026: „Auch den professionell Pflegenden mangelt es an demenzspezifischem Wissen“
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz engagiert sich seit über 35 Jahren für ein besseres Leben mit Demenz, für Aufklärung, Forschung und gesellschaftliche Teilhabe. Mit Informationsangeboten, politischer Arbeit und praktischer Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ist die DAlzG eine unverzichtbare Stimme in der Pflege- und Versorgungslandschaft. Im Interview mit der Redaktion Altenpflege gibt die DAlzG einen Einblick, was Messebesuchende auf der ALTENPFLEGE 2026 vom 21. bis 23. April in Essen erwartet. Machen Sie sich selbst in Bild im Bereich Beruf & Bildung & Beratung (Halle 8).
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz engagiert sich seit über 35 Jahren für ein besseres Leben mit Demenz, für Aufklärung, Forschung und gesellschaftliche Teilhabe. Mit Informationsangeboten, politischer Arbeit und praktischer Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ist die DAlzG eine unverzichtbare Stimme in der Pflege- und Versorgungslandschaft. Im Interview mit der Redaktion gibt die DAlzG einen Einblick, was Messebesuchende auf der ALTENPFLEGE 2026 vom 21. bis 23. April in Essen erwartet. Machen Sie sich selbst in Bild im Bereich Beruf & Bildung & Beratung (Halle 8).
Viele Pflegeeinrichtungen betreuen zunehmend Menschen mit Demenz. Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen – und welche strukturellen Verbesserungen sind aus Ihrer Sicht dringend nötig?
In unserer Beratung am Alzheimer-Telefon häufen sich in den letzten Jahren zunehmend Anrufe, in denen es um Probleme mit der Verfügbarkeit aber auch der Qualität von Pflegeeinrichtungen geht. Angesichts von Personalengpässen haben viele betroffene Familien den Eindruck, dass ambulante Pflegedienste „pflegeleichte“ Kunden denjenigen mit einer Demenz vorziehen, weil letztere oftmals mehr Zeit in der Versorgung benötigen, um einfühlsam auf sie einzugehen. Einen Platz in einer stationären Pflegeeinrichtung oder auch einer Tagespflege zu finden ist besonders dann schwierig, wenn die demenzerkrankte Person ausgeprägte veränderte Verhaltensweisen zeigt. Dies sind allerdings oft Fälle, in denen Hilfe besonders wichtig wäre, weil die Angehörigen mit der 24-Stunden-Betreuung irgendwann völlig überfordert sind. Viele Angehörige sind in dieser Situation verzweifelt und fühlen sich zu Recht alleingelassen.
Darüber hinaus erhalten wir allerdings oft auch Rückmeldungen dazu, dass es den professionell Pflegenden an demenzspezifischem Wissen mangelt. Menschen mit Demenz sind außerdem in besonderer Weise auf konstante Bezugspersonen angewiesen. Durch starke Personalfluktuation in vielen Einrichtungen haben sowohl Menschen mit Demenz als auch ihre Angehörigen immer wieder mit neuen Ansprechpersonen zu tun, was eine ganzheitliche Versorgung sehr erschwert.
Angesichts einer steigenden Zahl von Menschen mit Demenz – in der ambulanten und in der stationären Versorgung, aber auch in den Krankenhäusern – wäre eine Ausweitung dieses Themas in der Pflegeausbildung ebenso dringend notwendig wie eine fortlaufende Weiterbildung der Mitarbeitenden.
Unter dem Motto „Demenz – Mensch sein und bleiben“ fordern Sie eine demenzfreundliche Gesellschaft. Welche Impulse möchten Sie auf der ALTENPFLEGE 2026 setzen, um gesellschaftliches Verständnis weiter voranzubringen?
Unser größtes Anliegen ist es, dass Demenz nicht länger ein Tabu-Thema ist und dass Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen Verständnis und die Möglichkeit der Teilhabe erleben. Nicht nur (aber auch) im Bereich der Pflege braucht es noch viel mehr Wissen zu Demenzerkrankungen. Viele haben nach wie vor das Bild des alten, hilflosen Menschen vor Augen, wenn es um Demenz geht. Aber Demenzen entwickeln sich schleichend, auch wenn bestimmte Fähigkeiten nach und nach verloren gehen, bleiben Kompetenzen und Lebenserfahrung lange erhalten, Emotionen bis ganz zuletzt. Und es gibt nicht wenige Menschen, die in einem jüngeren Alter erkranken.
Um ein Grundwissen über Demenzerkrankungen und den Umgang mit Menschen mit Demenz möglichst vielen Menschen zu vermitteln, gibt es unsere Initiative Demenz Partner. Dort werden kostenlose 90-minütige Kompaktkurse angeboten, auch online oder als Webtraining und neben einer allgemeinen Version auch zugeschnitten auf verschiedene Berufsgruppen wie Rettungsdienste, Verkaufspersonal im Einzelhandel oder nicht-pflegerisches Personal in stationären Einrichtungen. An unserem Stand auf der Altenpflege informieren wir gerne dazu.
Die DAlzG setzt sich intensiv für pflegende Angehörige ein. Welche Wünsche haben Angehörige an die professionellen Pflegekräfte?
Angehörige wünschen sich zum einen natürlich Pflegekräfte, die kompetent, empathisch und verständnisvoll mit den Menschen umgehen, die sie betreuen und pflegen. Sie wünschen sich aber auch, von Pflegekräften als Partner in der Pflege und Betreuung des demenzerkrankten Menschen anerkannt zu werden. Auch wenn Pflegefachpersonen ihr fachliches Wissen mitbringen, sind die Angehörigen Expertinnen und Experten bezogen auf den einzelnen Menschen mit seiner Geschichte, seinen Vorlieben und Bedürfnissen. Gerade im stationären Bereich werden Angehörige oftmals als Störfaktor erlebt und behandelt. Hier wünschen wir uns ein Umdenken und Verständnis – das zugegebenermaßen manchmal von beiden Seiten aufgebracht werden muss. Aber im Sinne einer bestmöglichen Versorgung der betroffenen Menschen, sollte alles für eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten getan werden.
2025 wurden erstmals EU-weit Medikamente zugelassen, die den Verlauf der Alzheimer-Krankheit im Frühstadium verlangsamen sollen. Welche Chancen, aber auch Grenzen sehen Sie in diesen neuen Therapieansätzen aus Sicht der Versorgungspraxis?
Bei den beiden 2025 neu zugelassenen Medikamenten geht es zum ersten Mal um Wirkstoffe, die den Krankheitsverlauf selbst beeinflussen und nicht nur die Symptome der Alzheimer-Krankheit. Das macht Hoffnung darauf, dass es in Zukunft und mit weiterer Forschung noch wirksamere Behandlungsmöglichkeiten geben wird. Aktuell ist es so, dass die Medikamente nur einem kleinen Teil der Betroffenen in einem sehr frühen Stadium zugutekommen können, weil für die Behandlung viele Voraussetzungen sowohl beim Gesundheitszustand der Erkrankten als auch auf Seiten der behandelnden Ärzte und der Infrastruktur zur Überwachung der Behandlung gegeben sein müssen.
Bisher lässt sich auch noch nicht klar sagen, wie stark die Effekte der Behandlung ausfallen. Es ist davon die Rede, dass der Verlauf der Krankheit verzögert werden kann. Da die Geschwindigkeit, mit der die Alzheimer-Krankheit fortschreitet, individuell sehr unterschiedlich ist, kann der Einzelne aber gar nicht feststellen, ob der Verlauf bei ihm tatsächlich langsamer ist, als er es ohne die Behandlung wäre. Viele Daten fehlen noch, insbesondere lässt sich nicht sagen, ob eine Behandlung mit diesen Medikamenten dazu führt, dass Menschen deutlich später einen höheren Pflegebedarf haben. Derzeit ist es sowieso fraglich, ob die Kosten dieser Medikamente von den Krankenkassen übernommen werden. Gestoppt werden kann die Krankheit jedenfalls nach wie vor nicht, und wir dürfen nicht nachlassen, die Versorgung zu verbessern und in die Forschung auch für Menschen in fortgeschritteneren Stadien der Demenz voranzutreiben.
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