Konzepte und Innovationen

Netzwerkoase: AWO startet ambulantes Pflegeübungsangebot

Das AWO-Zentrum Freilassing bietet seit 2025 ein neues Format zwischen ambulanter Pflege, Hilfsmittelerprobung und Familienurlaub. Pflegebedürftige und Angehörige sollen in rund drei Wochen testen, wie häusliche Versorgung künftig funktionieren kann. Finanziert wird das Projekt vom Bayerischen Gesundheitsministerium und dem Landratsamt Berchtesgadener Land.

Schlafzimmer in der Netzwerkoase Foto: AWO Oberbayern

Die sogenannte Netzwerkoase richtet sich laut AWO Oberbayern an zwei Zielgruppen gleichzeitig: an Pflegebedürftige selbst sowie an deren Angehörige. Ziel sei es, die Eingewöhnung in eine neue Pflegesituation zu erleichtern, Ängste abzubauen und gemeinsam tragfähige Versorgungsstrukturen für die Zeit nach dem Aufenthalt zu entwickeln. Die Verweildauer ist mit rund drei Wochen angesetzt.

Pflegeübung und Hilfsmittelerprobung

Im Mittelpunkt steht das Ausprobieren von Hilfsmitteln und Abläufen, bevor Anschaffungen oder bauliche Anpassungen zu Hause erfolgen. Laut Beschreibung der AWO lassen sich in der Einrichtung etwa der Umgang mit Rollator oder Rollstuhl, eine Küche mit verstellbarer Arbeitshöhe sowie ein Pflegebett mit seinen Funktionen testen. Auch Pflegeleistungen und die Organisation der Essensversorgung können erprobt werden. Angehörige sollen dabei nachvollziehen können, warum bestimmte Handgriffe nötig sind und wo Betroffene besser selbst aktiv bleiben sollten – eine Abgrenzung, die die AWO bewusst zur klassischen Kurzzeitpflege zieht.

Urlaub mit Pflege

Den zweiten Schwerpunkt bildet ein Erholungsangebot, das die AWO als „Urlaub mit Pflege“ beschreibt. Gedacht ist es sowohl für Familien mit pflegebedürftigen Kindern als auch für ältere Paare, die trotz Einschränkungen verreisen wollen. Geboten wird eine Art Ferienwohnung mit Hilfsmitteln und angebundenem Pflegenetzwerk im Hintergrund. Hotelzimmer oder Pensionen, so die Argumentation, seien dafür weder ausgestattet noch im Notfall ausreichend abgesichert.

Abgrenzung zur Kurzzeitpflege und Leistungsgrenzen

Die AWO grenzt das Angebot ausdrücklich von der stationären Kurzzeitpflege ab: Die Netzwerkoase sei ambulant organisiert, biete keine 24-Stunden-Betreuung und keine Vollverpflegung im klassischen Sinn. Angehörige können mit einziehen – bei dementiell veränderten Personen ist die Begleitung durch eine Angehörige oder einen Angehörigen sogar Voraussetzung, da die Einrichtung keine durchgängige Anwesenheit gewährleistet. Beatmungspflichtige Patient:innen können nach Angaben der AWO nicht aufgenommen werden, da die technischen Voraussetzungen im ambulanten Setting fehlen.

Finanzierung und Abrechnung

Pflegeleistungen werden bei vorhandenem Pflegegrad über die Pflegekasse abgerechnet. Zusätzlich fällt eine tägliche Beherbergungspauschale an, deren Details laut AWO im Erstgespräch geklärt werden. Möblierung und Grundausstattung wurden nach Angaben des Trägers durch einen Zuschuss der GlücksSpirale mitfinanziert.

Vorbild aus Unterfranken

Als Vorbild nennt die AWO das seit 2019 bestehende Pflegeübungszentrum (PÜZ) des Caritasverbands für den Landkreis Rhön-Grabfeld. Das dortige Projekt wird als deutschlandweites Pilotvorhaben beschrieben, in dem unter Anleitung von Fachkräften häusliche Pflege erprobt und eine künftige Versorgungsstruktur erarbeitet wird.