Management

„Das Betreuungs- und Entlastungsgeld reicht kaum aus“

Der Diakonie Gütersloh e.V. eröffnet im Spätsommer 2023 eine Tagespflege in Rheda-Wiedenbrück. Die DiakonieVerband Brackwede GmbH, 100-%ige Tochtergesellschaft der Diakonie Gütersloh, eröffnet im April 2023 die erste Tagespflegeeinrichtung des Unternehmens in Bielefeld-Sennestadt. Damit wächst die Zahl der Tagespflegen im Unternehmensverbund 2023 auf fünf.

Agnieszka Gawlitza, Geschäftsbereichsleitung Tagespflege bei der Diakonie Gütersloh Foto: Diakonie Gütersloh e.V.

„Ich würde mir wünschen, dass sich die älteren Menschen viel früher über die Tagespflege informieren und sie dann besuchen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen liegt der Fokus der Tagespflege nicht auf der pflegerischen Versorgung. Natürlich findet sie qualitativ hochwertig und fachlich statt. In der Tagespflege geht es aber mehr darum, beisammen zu sein, in Gesellschaft eine anregende und erfüllende Zeit zu verbringen. Raus aus der Isolation und hin zu zwischenmenschlichen Kontakten, aus denen sich auch Freundschaften entwickeln können“, sagt Agnieszka Gawlitza, Geschäftsbereichsleitung Tagespflege bei der Diakonie Gütersloh.

In vielen Köpfen herrsche noch die Idee vor: `Ich brauche keine Pflege, ich bin noch fit.‘ „Kürzlich haben wir eine Weihnachtsfeier für unsere Tagespflege-Gäste veranstaltet. 70 haben mitgefeiert und sich gerührt bedankt – für die meisten von ihnen ist es die einzige richtige Weihnachtsfeier. Die Kinder und Enkel wohnen einfach oft weiter weg.“

Zum anderen falle es demenziell stark veränderten Menschen schwer, sich an neue pflegerische Angebote oder gar ein Heim zu gewöhnen. Die Tagespflege kennen sie im Idealfall schon länger – denn diese biete einen niedrigschwelligen Einstieg in die Pflege schon ganz am Anfang der Pflegebedürftigkeit. „Dann fühlen sie sich wohl und können von der Aktivierung profitieren.“

Mit Blick auf die Politik sagt Gawlitza: „Von der Politik würde ich mir wünschen, dass alle Leistungen der Tagespflege inklusive Unterkunft und Verpflegung finanziert werden. Ältere Menschen sind es gewohnt, sparsam zu sein. Wir hören oft, dass sie zuhause sehr wenig essen. Das Betreuungs- und Entlastungsgeld reicht kaum für die Hilfe im Haushalt aus. Die Küche bleibt kalt. Dabei brauchen gerade ältere Menschen eine ausgewogene, frische Kost. Wenn sie dann bei uns in der Tagespflege sind, wo frisch gekocht wird, essen sie sich satt.“

Sie würde sich wünschen, dass die breite Öffentlichkeit mehr um die Vorteile sowie den Sinn und Zweck von Tagespflegen weiß. „Ältere verbringen häufig den ganzen Tag alleine zuhause. Die ambulante Pflege ist nur für einen kurzen Zeitraum vor Ort, dann sind sie wieder alleine. Dabei greifen ambulante Pflege und Tagespflege wunderbar ineinander, so dass Pflegebedürftige versorgt werden und den Tag in Gemeinschaft verbringen können.“