Demenz

Demenz: Warum Veränderung zur Krise führen kann

Menschen mit schwerer Demenz benötigen eine konstante Umgebung. Beständigkeit bei Personal, Raum und Tagesstruktur schützt vor Stress und ermöglicht Orientierung.

Menschen mit schwerer Demenz benötigen eine konstante Umgebung. Foto: Adobe Stock/LIGHTFIELD STUDIOS (Symbolbild).

Im fortgeschrittenen Stadium einer Demenz bleibt das unbewusste Gewohnheitslernen erhalten, während die Fähigkeit zu bewusstem Lernen und zur Selbstberuhigung verloren geht. So beschreibt es Dr. Sven Lind in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Aktivieren. Neue Reize können nicht mehr mit bestehenden Erfahrungen verknüpft werden. Diese sogenannte Verallgemeinerungsunfähigkeit führt dazu, dass selbst kleinste Veränderungen zu Irritationen oder Rückzug führen. Deshalb ist es für Fachkräfte entscheidend, eine Phase der Eingewöhnung mit anschließend gleichbleibenden Reizgefügen zu gestalten.

Personale und räumliche Stetigkeit

Eine vertraute Bezugsperson hilft, Pflegeverweigerung zu vermeiden. Studien zeigen: Erst nach rund 14 Tagen regelmäßigen Kontakts sind Pflege- und Betreuungspersonen im Langzeitgedächtnis verankert. Veränderungen wie ein anderer Haarschnitt oder ein neues Parfüm können dazu führen, dass Bewohner:innen Mitarbeitende nicht wiedererkennen. Auch räumliche Veränderungen wirken sich massiv aus. Wird eine Tagesdecke ausgetauscht oder ein Sessel verrückt, kann dies zur Desorientierung führen. Die Folge: Rückzug, Konflikte oder unruhiges Verhalten.

Routinen im Tagesablauf geben Halt

Neben der personellen und räumlichen Konstanz ist auch die Tagesstruktur für die Betroffenen essenziell. Wiederkehrende Betreuungsangebote fördern Sicherheit. Fällt ein gewohnter Singkreis aus oder ändert sich dessen Ablauf, reagieren viele Demenzkranke mit Unruhe, Rastlosigkeit oder Apathie. Selbst kleine Änderungen können großen Stress verursachen.

Fazit: Die konsequente Einhaltung von Beständigkeit auf allen Ebenen – Personal, Raum und Handlung – ist Grundlage für Sicherheit, Orientierung und Wohlbefinden bei schwerer Demenz.

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Aktivieren.