Angehörige

Mangelt es an ausreichend Pflegestützpunkten?

Pflegende Angehörige verirren sich oft im “Dschungel” der Bürokratie, moniert der Sozialverband VdK in Baden-Württemberg. Ein Großteil der Hilfsangebote wird laut einer Studie gar nicht abgerufen. Das Land müsse dringend die Beratung ausbauen.

Sozialverband VdK Baden-Württemberg
Foto: VdK Baden-Württemberg Hans-Josef Hotz, Landesverbandsvorsitzender des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg, mit Protestschildern einer Demonstration ohne Menschen am Eckensee in Stuttgart.

“Vieles scheitert in der Pflege am Wissen”, erklärte VdK-Landeschef Hans-Josef Hotz. Die VdK-Studie zeige, dass sich die Zahl der Anträge auf Hilfsleistungen nach einer eingehenden Beratung vervierfache. Er forderte das Land auf, die Pflegestützpunkte massiv auszubauen. Nur eine solche Anlaufstelle pro Kreis im Südwesten sei zu wenig. Aus seiner Sicht müsse es einen Pflegestützpunkt pro 20 000 Einwohner geben.

Das Gesundheitsministerium hält das Angebot der Stützpunkte für ausreichend. Die hohe Zahl an Vollzeitstellen ermögliche ein gutes Beratungsangebot, da die Beschäftigten auf Wunsch auch zu den Betroffenen nach Hause kommen. “Viele Pflegestützpunkte führen außerdem regelmäßige Beratungssprechstunden in kreisangehörigen Städten und Gemeinden durch”, sagte eine Sprecherin.

Laut der von der Hochschule Osnabrück durchgeführten VdK-Pflegestudiegibt es im Südwesten fast 472 000 Menschen, die gepflegt werden müssen. Etwa 80 Prozent, also etwa 378 000, werden zu Hause versorgt. Dafür, dass Menschen Unterstützungsleistungen nicht in Anspruch nehmen, gebe es mehrere Gründe. Teilweise gebe es vor Ort solche Angebote gar nicht, vor allem in ländlichen Bereichen, oder die bürokratischen Hürden sowie die Zuzahlungen seien zu hoch, kritisierte Hotz. Im Südwesten geben die Hälfte der Befragten an, dass es in ihrer Umgebung keine Möglichkeit für eine Tagespflege gebe. Noch etwas mehr Betroffene (56 Prozent) geben an, dass es keine Angebote für Kurzzeitpflege in ihrer Nähe gebe.

Hinzu komme, dass 77 Prozent der Pflegebedürftigen den ihnen zustehenden “Entlastungsbetrag” von monatlich 125 Euro nicht abrufen.
Der VdK fordert ein “Nächstenpflege-Budget”, in dem alle Leistungen gebündelt werden. So könne jeder selbst entscheiden, für welche Hilfe er sein Budget nutzen wolle. Bei der größten Krankenkasse im Land hat man andere Zahlen als der VdK. «Bei der AOK Baden-Württemberg haben 46,8 Prozent der ambulant gepflegten Pflegebedürftigen in 2021 den Entlastungsbetrag in Anspruch genommen», sagte ein Sprecher.

Hotz zeigte sich enttäuscht darüber, dass Sozialminister Manne Lucha (Grüne) bei seiner “starren Haltung” bleibe, bei der Pflege nicht wieder in die Investitionskostenförderung einzusteigen, aus der das Land 2010 ausgestiegen war. Es fehlten überall Plätze in den Heimen, das sehe man auch daran, dass an vielen Orten kaum Tagespflege angeboten werde. Lucha sage immer, er investiere nicht in Beton. “Aber Tagespflegeplätze sind auch nicht in Zelten untergebracht, sondern in Pflegeheimen”.

Zenrale Studieergebnisse in Baden-Württemberg