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Spitzenvergütung für Pflegeazubis: Verbände fordern politische Konsequenzen

Auszubildende in der Pflege verdienen im öffentlichen Dienst bereits im ersten Lehrjahr 1.491 Euro monatlich und liegen damit an der Spitze aller Tarifbranchen. Arbeitgeberverbände nutzen die WSI-Zahlen der Hans-Böckler-Stiftung, um politischen Druck aufzubauen: Der Ausbildungserfolg dürfe durch das geplante Pflegeneuordnungsgesetz nicht gefährdet werden.

Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) wertet die Zahlen der Hans-Böckler-Stiftung als Beleg für die Attraktivität des Pflegeberufs. Foto: AdobeStock/AI-Universe (KI-generiert)

Eine Auswertung des Tarifarchivs im Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung stellt die Pflegeausbildung an die Spitze der bundesweit vergüteten Tarifbranchen. Nach den Berechnungen erhalten Pflege-Azubis im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen im ersten Ausbildungsjahr 1.491 Euro brutto pro Monat – mehr als in Versicherungen, Banken. Lediglich gewerbliche Auszubildende am Bau erreichen laut WSI im vierten Ausbildungsjahr mit 1.714 Euro höhere Werte (siehe Meldung vom 31. Juli 2026).

AGVP: Ausbildungsboom muss Vertrauen folgen

Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) wertet die Zahlen als Beleg für die Attraktivität des Berufs. AGVP-Geschäftsführerin Isabell Halletz verweist auf Spitzenvergütung, die meisten neuen Ausbildungsverträge und gute Beschäftigungsaussichten und positioniert die Pflege als „Ausbildungsberuf Nummer eins“. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten biete die Branche Sicherheit – während große Industrieunternehmen Stellen abbauten, würden Pflegefachpersonen weiterhin gebraucht.

Halletz knüpft daran eine berufspolitische Forderung: Wer gut ausbilde, müsse den Fachkräften anschließend auch Perspektiven bieten. Pflegefachpersonen sollten ihre Qualifikation eigenverantwortlich und bedarfsgerecht einsetzen können, statt durch starre Quoten und Personalschlüssel ausgebremst zu werden.

bad e.V.: PNOG gefährdet Refinanzierung der Ausbildung

Auch der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e. V. begrüßt die WSI-Auswertung. Bundesgeschäftsführerin Andrea Kapp betont, die Pflege sei kein Niedriglohn-Ausbildungsberuf; wer sich für die Ausbildung entscheide, könne bereits während der Ausbildungszeit mit einer attraktiven Vergütung rechnen.

Eine angemessene Ausbildungsvergütung sei allerdings nur ein Baustein, um junge Menschen für den Beruf zu gewinnen – angesichts des Fachkräftemangels brauche es weitere strukturelle Verbesserungen. Kapp fordert, die Ausbildungsträger zu stärken sowie die Kranken- und Pflegeversicherung nachhaltig zu reformieren, statt bestehende Strukturen zu gefährden. Nötig seien gute Ausbildungsvergütungen, verlässliche Bedingungen für eine vollständige Refinanzierung und attraktive Arbeitsbedingungen.

Deutliche Kritik richtet der bad e.V. an den aktuellen Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) der Bundesregierung. Reformen müssten laut Kapp Vertrauen und Planungssicherheit schaffen – der derzeitige Entwurf bewirke jedoch das Gegenteil und berücksichtige die Refinanzierung der Ausbildung nicht.