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Barmer: Kosten in der Pflegeversicherung explodieren

Die Kosten für die Pflegeversicherung explodieren. Grund sei nicht allein der demografische Wandel, betont die Krankenkasse. Was sie stattdessen als Hauptursache sieht – und geändert wissen will.

Die Dauer der Pflegebedürftigkeit liegt inzwischen durchschnittlich bei 6,03 Jahren. Foto: AdobeStock/Robert Kneschke

Die Kosten in der Pflegeversicherung steigen rasant. Nach Angaben der Krankenkasse Barmer hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Bayern seit 2017 von 385.600 auf 626.500 erhöht – ein Plus von 62 Prozent. Pflegebedürftigkeit dauert inzwischen im Schnitt 6,03 Jahre.

Barmer-Landeschef Alfred Kindshofer fordert daher eine schnelle Reform. Die Kostenexplosion liege weniger am demografischen Wandel als am seit 2017 geltenden neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff. Durch ihn erhalten mehr Menschen früher einen Pflegegrad – besonders Demenzerkrankte. Zudem wurde der Pflegegrad 1 eingeführt und der Kreis der Anspruchsberechtigten erweitert.

2017 hatten rund 20.700 Menschen in Bayern Pflegegrad 1, 2024 bereits 117.500 – ein Anstieg um 467 Prozent. Gleichzeitig steigen die Eigenanteile: Ein Heimplatz kostet 2025 im Schnitt 3.286 Euro im Monat (2018: 1.766 Euro). Besonders stark legte der einrichtungseinheitliche Eigenanteil zu – von 733 auf 1.950 Euro.

Laut Barmer droht die Pflegeversicherung damit ihr Ziel zu verfehlen, pflegebedingte Armut zu verhindern. 2024 wurden rund 111.600 Menschen in Bayern dauerhaft im Heim gepflegt. Deutlich stärker wächst die ambulante Pflege: 107.600 Menschen nutzten sie 2024 (2017: 83.900). Pflegegeld erhielten rund 267.000 Betroffene.

In den Pflegegraden 2 und 3 gab es seit 2017 Zuwächse von jeweils rund 55 Prozent. Pflegegrad 4 stieg nur leicht, Pflegegrad 5 ging zurück. Da Betroffene früher Leistungen erhalten, bleiben sie länger im System. Barmer fordert daher, Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern – durch bessere Gesundheitskompetenz und ein stärker steuerndes Primärversorgungssystem.

Kindshofer plädiert zudem dafür, die Kosten der Pflegeausbildung durch Steuern zu finanzieren und die Investitionskosten der Heime vom Freistaat übernehmen zu lassen. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach unterstützt zumindest die Ausbildungsfinanzierung. Seit 2020 hat Bayern rund 410 Millionen Euro für Investitionen in Pflegeplätze bereitgestellt.

Für ihren Pflegereport hat die Kasse die anonymisierten Daten ihrer rund 1,1 Millionen Versicherten in Bayern ausgewertet und auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Wegen der breiten Datenbasis gelten die Ergebnisse als repräsentativ.