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Verdeckte Pflegearmut: Studie sieht 300.000 Betroffene ohne zustehende Hilfe
Vier von fünf armutsbetroffenen Pflegebedürftigen, die zu Hause versorgt werden, nehmen die ihnen zustehende Sozialleistung „Hilfe zur Pflege“ nicht in Anspruch. Das geht aus einer neuen Studie des Paritätischen Gesamtverbands hervor. Die Versorgungslücke variiert je nach Bundesland drastisch.
Rund 4,9 Millionen Menschen werden in Deutschland zu Hause gepflegt. Von ihnen hätten laut der Studie etwa 390.000 Anspruch auf die Sozialleistung „Hilfe zur Pflege“ – eine Leistung, die greift, wenn Einkommen, Vermögen und Pflegeversicherung zusammen nicht ausreichen, um den Pflegebedarf zu decken. Tatsächlich erhalten aber nur 76.000 Betroffene diese Unterstützung. Damit gehen bundesweit rund 300.000 armutsbetroffene Pflegebedürftige leer aus.
Die Studie wurde vom Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Klie im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbands erstellt. Die Zahl der potenziell Anspruchsberechtigten wurde mittels Modellrechnungen ermittelt, die auf Daten des Statistischen Bundesamtes zur Grundsicherung basieren.
Laut dem Paritätischen liegen die Gründe für die massive Unterversorgung auf mehreren Ebenen: Viele Betroffene wüssten schlicht nicht von ihrem Anspruch, andere scheuten sich aus Scham vor der Antragstellung. Hinzu komme fehlende Beratung. Ein weiterer Faktor seien die unterschiedlichen Verwaltungspraxen der zuständigen Sozialämter.
Wie stark der Wohnort über den Zugang zur Leistung entscheidet, belegen die regionalen Unterschiede: Im Saarland nimmt laut der Studie nur jede zehnte anspruchsberechtigte Person die „Hilfe zur Pflege“ in Anspruch. In Sachsen-Anhalt ist es jede fünfte, in Hamburg immerhin mehr als jede dritte. „Derzeit entscheidet die Postleitzahl darüber, wie gut Pflegebedürftige zu Hause unterstützt werden – das ist schlicht ungerecht“, kritisierte Dr. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.
Der Paritätische fordert die flächendeckende Umsetzung der bestehenden gesetzlichen Ansprüche, damit sich die Armut von Pflegebedürftigen nicht weiter verschärft. Darüber hinaus setzt sich der Verband für eine solidarische Pflegevollversicherung ein – sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. „Bund und Länder müssen endlich die Menschen in der ambulanten Pflege in den Blick nehmen und Pflegearmut entschieden bekämpfen“, so Rock.
Die vollständige Studie steht auf der Website des Paritätischen Gesamtverbands zum Download bereit.
Die vollständige Studie steht auf der Website des Paritätischen Gesamtverbandes zum Download bereit: Expertise „Armut in der häuslichen Pflege“
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