Pflegepraxis
Pflegekammer NRW plant Expertengruppe zum Thema Gewalt
Fast 20 Fälle von Gewalt gegen Pflegebedürftige sind der NRW-Pflegekammer binnen eines Jahres gemeldet worden. Fast alle Meldungen seien durch Staatsanwaltschaften an die Kammer herangetragen worden, sagte eine Sprecherin der Kammer.
Die Fälle reichten von Vernachlässigung pflegebedürftiger Personen bis hin zu körperlicher oder sexualisierter Gewalt. Die Dunkelziffer bei Gewaltfällen im Pflegebereich dürfte aber viel größer sein. Die Kammer will ein niedrigschwelliges Meldesystem etablieren, über das Pflegefachkräfte künftig anonym auf Berufspflichtverletzungen und Aspekte von Gewalt hinweisen können.
Gewalt in der Pflege sei immer noch ein Tabuthema, sagte Dominik Stark, Vorstandsmitglied der Pflegekammer NRW. Beleidigungen, Bedrohungen und Übergriffe seien keine Seltenheit in der Pflege. Das zeigten auch Ergebnisse einer Studie des Gewaltpräventionsprojekts Peko, an dem vier Hochschulen beteiligt sind.
Demnach haben 92 Prozent der professionell Pflegenden in stationären Einrichtungen, ambulanter Pflege und Krankenhäusern psychische oder physische Gewalt erlebt. Gleichzeitig gaben aber auch 70 Prozent der Pflegekräfte an, selbst Gewalt gegenüber Pflegebedürftigen ausgeübt zu haben. Dabei handelte es sich in vielen Fällen um Vernachlässigung und psychische Gewalt.
Die Pflegekammer Nordrhein-Westfalen will mit einer Expertengruppe für das Thema Gewalt in der Pflege sensibilisieren und Maßnahmen zur Gewaltprävention voranbringen. Mit Fortbildungen, Aufklärung und Deeskalationstraining soll Gewalt im Pflegealltag verhindert werden.
Dabei soll das Pflegepersonal auch für „leise“, also subtile Gewaltformen sensibilisiert werden. (dpa)
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren