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Selbstführung als Schlüsselkompetenz in der ambulanten Pflegeführung

Gerade in der Pflege sind Führungskräfte mit einer Vielzahl an Aufgaben und Herausforderungen ­konfrontiert. Doch eine der ­wichtigsten Kompetenzen, die eine Führungskraft mitbringen sollte, wird oft übersehen: die Selbstführung.

Eine authentische Führungskraft strahlt Sicherheit und Klarheit aus und ist dadurch in der Lage, Mitarbeitende zu inspirieren und zu motivieren. Foto: Foto: AdobeStock/Southworks

Viele verstehen unter Selbstführung primär Techniken zur besseren Organisation des Alltags. Doch, es geht nicht nur um Effizienz, sondern um Selbstkenntnis, emotionale Steuerung und innere Stabilität. „Nur wer mit sich selbst im Einklang ist, wer authentisch und berechenbar seinem eigenen, inneren Kompass folgt, der kann auch anderen Orientierung, Unterstützung und Vertrauen bieten“, schreibt Organisationsberaterin Dana Janas in ihrem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Tagespflege. In einem fordernden Berufsfeld wie der Pflege, das oft von Zeitdruck, emotionaler Belastung und multiplen Erwartungen geprägt ist, wird diese Fähigkeit zur Überlebensstrategie.

Selbstreflexion: Der erste Schritt zur Führungskraft mit Tiefe

Zentraler Bestandteil der Selbstführung ist die Selbstreflexion. Sie ermöglicht es, das eigene Verhalten, Denken und Fühlen besser zu verstehen – und bewusst zu steuern. Dabei gehe es nicht um ständige Selbstkritik, sondern um eine ehrliche und wertschätzende Auseinandersetzung mit sich selbst. „Selbstreflexion heißt auch: Sich aktiv und regelmäßig Feedback zum eigenen Wirken einzuholen, damit ‚blinde Flecken‘ nicht zu groß werden“, so Janas.

Gerade Feedback – ob lobend oder kritisch – werde in vielen Teams zu selten eingefordert, so Janas. Doch wer als Führungskraft bereit sei, ehrliches Feedback anzunehmen, schaffe damit eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der Entwicklung möglich wird. „Wenn ich als Führungskraft ein ehrliches Feedback meiner Mitarbeitenden zu mir als Person, zu meinem Handeln und Wirken bekomme, habe ich in meiner Führung einen riesigen Meilenstein geschafft.“

Authentizität: Führungsstärke durch Echtheit

Selbstführung ist eng verknüpft mit authentischem Auftreten – einem weiteren Schlüssel für wirksame Führung. Mitarbeitende vertrauen Führungspersonen, die klar, konsistent und ehrlich in ihrem Verhalten sind. Wer seine Werte kenne und nach ihnen handele, werde als glaubwürdig wahrgenommen, schreibt Dana Janas. „Das Vertrauen der Mitarbeitenden basiert oft auf der Wahrnehmung, dass die Führungskraft ‚echt‘ ist und ihre Entscheidungen aus einer klaren, wohlüberlegten Haltung trifft.“

Dabei helfen Fragen wie: Wofür möchte ich stehen? Welche Werte sind mir wichtig? Woran erkennen andere, dass ich diese Werte lebe? Eine Führungskraft, die diese Fragen für sich beantworten kann, strahlt nicht nur Sicherheit und Klarheit aus, sondern inspiriert ihr Team durch Vorbildwirkung.

Umgang mit Stress: Selbstführung als Ressource

Der Pflegealltag ist häufig durch Stress, Zeitnot und hohe emotionale Anforderungen geprägt. Wer in solchen Situationen handlungsfähig bleiben möchte, braucht einen bewussten Umgang mit den eigenen Gefühlen. Selbstführung bedeutet daher auch, emotionale Reaktionen zu erkennen, zu hinterfragen und gezielt zu regulieren. Janas empfiehlt, sich mit den eigenen „Triggerpunkten“ auseinanderzusetzen: „Welches sind meine bevorzugten Mechanismen und Reaktionen in Stresssituationen? Warum fällt es mir bei bestimmten Kolleg:innen schwer, gelassen zu bleiben?“

Durch solche Fragen entsteht ein tiefes Verständnis für die eigenen inneren Muster – eine Grundlage dafür, auch in Krisensituationen ruhig, klar und wirksam zu agieren. Wer in der Lage ist, seinen Stresspegel zu senken und seine Emotionen konstruktiv zu steuern, verbessert nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern wirkt auch positiv auf das gesamte Teamklima.

Selbstführung ist Führungsarbeit

Selbstführung ist kein „weiches“ Thema, sondern ein harter Erfolgsfaktor in der Pflegeführung. Sie stärkt nicht nur die Resilienz der Leitungskraft selbst, sondern auch die Stabilität und Zufriedenheit im Team. Dana Janas bringt es auf den Punkt: „Die Fähigkeit zur Selbstführung sorgt nicht nur für mehr Klarheit und Orientierung im eigenen Handeln, sondern fördert auch die persönliche Weiterentwicklung und stärkt das Vertrauen der Mitarbeitenden.“

In einer Branche, in der menschliche Nähe, hohe Verantwortung und organisatorische Komplexität täglich aufeinandertreffen, ist Selbstführung nicht Kür, sondern Pflicht. Leitungskräfte sind gut beraten, sie als zentrale Ressource in ihrer Profession weiterzuentwickeln.