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Fehlende Information erschwert Zugang zur Tagespflege

Pflegebedürftige und ihre Angehörigen wissen oft nicht, dass Tagespflege zusätzlich zu ambulanten Leistungen möglich ist. Tagespflege-Einrichtungen kritisieren, dass Hausärzt:innen sich nicht zuständig fühlen, über das Angebot aufzuklären.

Über das Angebot der Tagespflege wird oft nicht gut genug informiert. Die Tagespflege sehen hier auch die Hausärzte in der Pflicht. -

Im Landkreis Kassel beklagen mehrere Tagespflege-Einrichtungen, dass das Angebot der Tagespflege nach wie vor viel zu wenig bekannt ist. Martina Möller, Pflegedienstleitung der B&K-Tagespflege in Vellmar, bringt es auf den Punkt: „Es ist ein Irrglaube, dass man sich für eine Form entscheiden muss.“ Noch immer herrscht die weit verbreitete Meinung, ambulante Pflege und Tagespflege würden sich gegenseitig ausschließen. Tatsächlich aber können beide Leistungsformen unabhängig voneinander in Anspruch genommen werden – und werden auch getrennt von den Pflegekassen finanziert, schreibt die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) online.

Viele Tagespflege-Gäste oder deren Angehörige wüssten davon schlicht nichts. Die Einrichtungen machen dafür ein mangelndes Informationsangebot verantwortlich. Laut Johannes Lepke, Pflegedienstleiter der AMP-Tagespflege in Baunatal, sei „flächendeckend Unwissenheit zum Thema Tagespflege“ zu beobachten. Auch Marion Gnidtke, Geschäftsführerin des Pflegedienstes G & G in Ahnatal, kritisiert: „Der wichtigste Grund ist die mangelnde und schlechte Aufklärung.“

Kritik an Hausärzt:innen – wer klärt auf?

Die Kritik richtet sich nicht an die Pflegebedürftigen selbst, sondern an das Umfeld. „Ambulante Pflegedienste und Hausärzte sind zu wenig informiert“, sagt Martina Möller. Ihre Kollegin Gnidtke bestätigt diesen Eindruck: „Die Hausärzte wissen nicht Bescheid und haben in der Regel wenig Interesse an Aufklärung.“

Tatsächlich würden Pflegebedürftige laut den Einrichtungen häufig direkt in Richtung stationärer Pflege beraten, obwohl ambulante und tagespflegerische Leistungen eine wohnortnahe Alternative darstellen können.

Hausärztevertreter Christoph Claus weist die Kritik zurück. Gegenüber der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) betonte er: „Wir sind tatsächlich für ganz viele Dinge Ansprechpartner, auch solche, die uns nicht betreffen.“ Für Informationen zur Tagespflege seien primär Pflegeberatung oder Krankenkassen verantwortlich. Trotzdem hätten manche Praxen Flyer ausliegen – sofern die Einrichtungen diese selbst bereitstellen.

Tagespflege bleibt unterschätzt

Die Verantwortlichen in den Tagespflegeeinrichtungen fordern ein strukturiertes, breiteres Informationsangebot. Stellvertretend sagt Sonja Sinning, stellvertretende Leitung der AMP-Tagespflege: „Ärzte klären zu wenig auf.“ Sie schlägt sogar vor, Tagespflege wie ein Medikament auf Rezept zu verordnen.

Insgesamt sehen die Einrichtungen die Verantwortung für bessere Aufklärung nicht nur bei den Hausärzt:innen, sondern auch bei Pflegekassen, Pflegestützpunkten und Kommunen. Ohne gezielte Information könnten Angebote wie die Tagespflege auch weiterhin an vielen Pflegebedürftigen vorbeigehen – obwohl sie gerade für deren Lebensqualität und Verbleib in der eigenen Wohnung eine zentrale Rolle spielen.