News
Pflege nachts allein? Bayern testet neues Konzept
Ein bayerisches Modellprojekt erprobt die „eingestreute Nachtpflege“. Es zeigt Entlastungspotenziale für Angehörige – aber auch bürokratische Hürden und geringen Zuspruch in der Praxis.
Pflegende Angehörige tragen häufig die Hauptlast der Versorgung – besonders nachts. Doch passende Entlastungsangebote fehlen fast völlig. 2021 standen bundesweit nur 269 Nachtpflegeplätze für über vier Millionen Pflegebedürftige zur Verfügung. Ein bayerisches Modellprojekt hat nun die „eingestreute Nachtpflege“ erprobt und liefert wertvolle Erkenntnisse für innovative Versorgungsstrukturen.
Neue Wege zur Entlastung
Initiiert vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention und den Pflegekassenverbänden in Bayern, wurde das Projekt von der Universität Bayreuth evaluiert. Zwei Einrichtungen – das BRK Alten- und Pflegeheim in Bad Neustadt und die Otto und Anna Herold-Altersheimstiftung in Karlstadt – boten seit 2023 eingestreute Nachtpflegeplätze an. „Unser Ziel war es, pflegende Angehörige gezielt zu entlasten und den Verbleib der Pflegebedürftigen in der Häuslichkeit zu verlängern“, erklärt Co-Autor Prof. Michael Lauerer vom Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften der Universität Bayreuth in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Tagespflege.
Erfahrungen in der Praxis
Die Befragung von Pflegekräften, Leitungspersonen und Angehörigen zeigt: Die Integration des Angebots in bestehende Abläufe gelang ohne nennenswerte Zusatzbelastung. Eine Angehörige berichtete von einer „spürbaren Entlastung – vor allem durch besseren Schlaf“. Gleichwohl blieb die Nachfrage trotz breiter Öffentlichkeitsarbeit überraschend gering. „Bürokratische Hürden und ein aufwändiger Antragsprozess sind zentrale Hemmnisse“, so Mitautorin Dr. Sarah Heidenreiter. Auch Missverständnisse – etwa die Gleichsetzung mit Kurzzeitpflege – bremsten die Nutzung.
Potenziale und Erfolgsfaktoren
Grundsätzlich bewerten die Einrichtungen das Konzept positiv. Damit Nachtpflegeangebote künftig wirksam wirken, müssten sie flexibler, bekannter und einfacher zugänglich werden. Dazu gehören anpassbare Ankunftszeiten, klare Abläufe, Kontinuität im Pflegeteam und ein vereinfachtes Antragsverfahren. „Das Modellprojekt zeigt, dass die eingestreute Nachtpflege ein wichtiger Baustein zur Entlastung von Angehörigen sein kann – wenn Rahmenbedingungen und Strukturen stimmen“, betont Wissenschaftler Florian Hinz.
Der vollständige Beitrag von Florian Hinz, Dr. Sarah Heidenreiter und Prof. Michael Lauerer ist in der Tagespflege, Ausgabe 8/2025, erschienen.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren