News

Belegungsquote der Tagespflege geht deutlich nach unten

Die Tagespflege im baden-württembergischen Riedlingen verzeichnet seit der Corona-Krise einen deutlichen Rückgang der Belegungszahlen. Ein Grund dafür könnte die Arbeit im Home Office sein.

Viele Tagespflegeeinrichtungen verzeichnen einen deutlichen Rückgang der Belegung. -

In Deutschland sind rund fünf Millionen Menschen pflegebedürftig, wie aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen. Mehr als die Hälfte von ihnen wird zu Hause durch Angehörige betreut. Doch wer auf professionelle Unterstützung angewiesen ist, stößt oft auf Engpässe: Pflegeheime und ambulante Pflegedienste sind vielerorts überlastet. Eine Ausnahme stellt jedoch häufig die Tagespflege dar. Das meldet die „Schwäbische Zeitung“ online.

Tagespflege in Riedlingen: Rückgang der Nachfrage seit der Pandemie

Michael Wissussek, Leiter der Tagespflege in Riedlingen erklärt, seit der Pandemie hat sich die Lage dramatisch verändert. „Die Belegungsquote hat sich dramatisch verschlechtert, viele Leute bleiben weg“, erklärt er in dem Bericht auf „schwaebische.de“. Während die Einrichtung früher bis zu 25 Tagesgäste betreuen konnte, waren es im Dezember 2023 lediglich fünf.

Ähnliche Entwicklungen zeigt sich auch in anderen Einrichtungen. In Bad Buchau seien von 16 Plätzen durchschnittlich nur zehn bis zwölf belegt. Lediglich die Demenzgruppe sei mit zehn Plätzen voll ausgelastet, was auf einen steigenden Bedarf in diesem Bereich hindeutet, so Wissussek.

Schwierige Rahmenbedingungen trotz finanzieller Unterstützung

Trotz eines Rahmenvertrags aus dem Jahr 2017, der Pflegebedürftigen ein eigenständiges Budget für die Tagespflege zusichert, bleiben die Belegungszahlen vielerorts hinter den Erwartungen zurück. Magnus Hanzel, Landesbeauftragter des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (BPA), erklärt: „Etliche Tagespflegen in Baden-Württemberg beklagen Auslastungsquoten von 50 bis 70 Prozent.“

Die Gründe dafür sind vielfältig. Gestiegene Lebenshaltungskosten könnten dazu führen, dass pflegende Angehörige den Eigenanteil für die Tagespflege – meist zwischen 30 und 50 Euro pro Tag – scheuen. Auch die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, spielt eine Rolle. „Pflegende Angehörige arbeiten vermehrt flexibel und sind in vielen Fällen selbst vor Ort“, sagt Hanzel.

Herausforderung für die Betreiber

Für die Betreiber der Tagespflegeeinrichtungen gestaltet sich die Situation zunehmend schwierig. „Wir sind auch ein Wirtschaftsbetrieb“, betont Wissussek. Sinkende Einnahmen durch weniger Gäste stehen höheren Kosten, etwa für Energie, Lebensmittel und Personal, gegenüber. Erschwerend komme hinzu, dass manche Kostenträger nur verzögert zahlen. Dies habe bereits dazu geführt, dass einige Einrichtungen schließen mussten, berichtet Wissussek.

Unterschiede in der Auslastung

Ein anderes Bild zeigt sich hingegen bei der Sozialstation Riedlingen. Dort habe sich die Nachfrage nach Tagespflege seit 2018 verdoppelt, so Geschäftsführer Christian Gnuscke. „Wir haben sogar eine Warteliste“, berichtet er. Die 25 Plätze der Sozialstation seien zu 110 Prozent ausgelastet. Auch in Bad Buchau und Bad Saulgau seien die Tagespflegeplätze voll belegt, teilweise sogar zu 120 Prozent. „Die Tendenz ist eher steigend“, sagt Gnuscke. „Wir werden noch Personal einstellen.“

Bedeutung der Tagespflege für Pflegebedürftige und Angehörige

Trotz der Herausforderungen betont Wissussek die wichtige Rolle der Tagespflege als Prävention gegen Vereinsamung und Depression. „Viele würden sonst gar nicht mehr rauskommen“, erklärt er. Die Tagespflege biete zudem eine wichtige Brückenversorgung für Pflegebedürftige, die später in ein Heim ziehen. „Das macht den Schritt für beide Seiten, Angehörige und Heimbewohner, einfacher.“

Angesichts der demografischen Entwicklung sieht Wissussek einen dringenden Handlungsbedarf: „Wir sind eigentlich 20 Jahre zu spät dran. Die Demografie hat uns überholt.“