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Diakonische Dienstgeber warnen vor zunehmender Fremdenfeindlichkeit

Diakonische Unternehmen wollen mehr geflüchtete Menschen als Arbeits- und Fachkräfte gewinnen, sehen aber in der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit und in der Bürokratie große Hindernisse. Diese könnten langfristig den Gesundheitsstandort gefährden.

Dr. Ingo Habenicht, Vorstandsvorsitzender des VdDD und Vorsitzender der Geschäftsführung des Evangelischen Johanneswerks Foto: Stephan Wemhöner

„Wir haben überall Fachkräftemangel und viele qualifizierte Flüchtlinge – dennoch kriegen wir es nicht hin, die Zugänge zum Arbeitsmarkt zu flexibilisieren und zu vereinfachen“, kritisiert der Vorstandsvorsitzende des Verbandes diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD), Dr. Ingo Habenicht. Er verweist auf verschiedene Erfahrungsberichte von Mitgliedsunternehmen des Verbandes.

Bei der Johanniter-Unfallhilfe führt der Bürokratiefrust so weit, dass ein erfolgreiches Programm zur Arbeitsmarktintegration auf Eis gelegt wurde. Seit 2019 hatten sich an der Johanniter-Akademie in Leipzig 73 Personen zur Pflegehilfskraft oder für den Rettungssanitätsdienst qualifizieren lassen. Der letzte Kurs endete im Mai. Ein Grund seien die langen Wartezeiten für Bildungsgutscheine, so die zuständige Koordinatorin Antje Zajonz.

Außerdem hänge die Bewilligung der Qualifizierungsmaßnahme durch das Job-Center stark von der jeweiligen Sachbearbeitung ab. „Da fehlt es an Transparenz“, so Zajonz. Hinzu komme der Föderalismus: „Ein ausländischer Realschulabschluss, der in Sachsen-Anhalt anerkannt wurde, gilt trotzdem nicht in Sachsen. Das bedeutet, die betreffende Person muss das Verfahren andernorts nochmal machen und bis zu einem Jahr warten.“

Die Suche nach geeignetem Wohnraum ist unabhängig der Herkunft besonders in Ballungsgebieten schwierig, für Menschen mit Migrationshintergrund mitunter fast unmöglich. Das berichtet unter anderem Ulrike Haas, Leitung Jugendhilfe bei der BruderhausDiakonie: „Die Folge ist, dass unbegleitete minderjährige Ausländer länger in den Wohngruppen bleiben, was dann Plätze für eine Neuaufnahme von Jüngeren blockiert.“

Auch die allgemeine Stimmungslage und konkrete Erfahrungen von Ausgrenzung machen potenziellen ausländischen Fachkräften zu schaffen. Bei der Jobsuche sind vor allem Frauen aus muslimischen Herkunftsländern benachteiligt: „Wer ein Kopftuch trägt, findet schwerer einen Job – ob bei kirchlichen Trägern oder auch bei nicht-kirchlichen“, stellt Zajonz von den Johannitern ernüchternd fest.

Wenn sich beispielsweise ein Patient rassistisch äußere, sei es wichtig im Alltag klar Position zu beziehen, sagt Agaplesion-Mitarbeiterin Kracht. Und ihre Kollegin Rebecca Nauheimer, Verantwortliche für internationale Fachkräfte in der Unternehmenszentrale, stellt klar: „Als größter diakonischer Verbund im Gesundheitswesen haben wir einen hohen ethischen und christlichen Anspruch, um Menschen mit Fluchterfahrungen hier eine Chance zu geben.“