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Digitale Teilhabe Älterer: Bundesregierung investiert Millionen
Die Hälfte der Über-80-Jährigen nutzt kein Internet – und der Ausschluss ist häufig unfreiwillig. Auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion legt die Bundesregierung dar, welche Programme sie fördert, wie viel Geld sie einsetzt und wo die Grenzen ihrer eigenen Wirkungsmessung liegen.
Rund die Hälfte der Menschen über 80 Jahren geht laut einer Bitkom-Studie nie online. Der D21-Digital-Index 2024/2025 belegt, dass insbesondere ab 70 Jahren die digitale Teilhabe weit unterdurchschnittlich ausfällt – mit starken Unterschieden nach Bildungsgrad, Einkommen und Geschlecht. Die SIM-Studie 2024 und eine Untersuchung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) kommen laut der Bundestagsdrucksache 21/4453 übereinstimmend zu dem Schluss, dass der Verzicht auf Internetnutzung im Alter häufig nicht freiwillig geschieht. Stattdessen verhindern strukturelle Hürden den Zugang.
In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Linken-Fraktion (Drucksache 21/4147) benennt die Bundesregierung die zentralen Barrieren: An erster Stelle stehen die Komplexität digitaler Anwendungen und Geräte, eine fehlende Nutzenwahrnehmung, Sicherheitsbedenken sowie fehlende Unterstützung im persönlichen Umfeld. Finanzielle Kosten und körperliche Beeinträchtigungen spielten laut Bundesregierung insgesamt eine geringere Rolle – seien aber für die jeweils betroffenen älteren Menschen von zentraler Bedeutung.
Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) setzt laut eigener Darstellung auf drei Maßnahmen:
Der DigitalPakt Alter unterstützt Kommunen beim Aufbau dauerhafter Anlaufstellen für digitale Fragen älterer Menschen. Zwischen 2021 und 2025 wurden insgesamt 314 sogenannte Erfahrungsorte gefördert, jeweils mit 3.000 Euro – mit Ausnahme der 50 Erfahrungsorte aus dem Jahr 2022, die 2.000 Euro erhielten. Allen standen Workshops, Vernetzungsangebote, monatliche Online-Sprechstunden und Beratung zur Verfügung.
Der Digitale Engel erreicht mit zwei mobilen Ratgeberteams vor allem ländliche Regionen. Ergänzend fördern Digital-Patenschaften zwischen jungen Freiwilligen und älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen den generationenübergreifenden Austausch.
Das Kompetenznetzwerk KI & Alter (KoKIA) bündelt laut Bundesregierung praxisnahe Bildungsarbeit, etablierte KI-Lernorte sowie Forschungsakteure zu einem bundesweiten Netzwerk, das älteren Menschen und Einrichtungen der Seniorenarbeit Orientierung beim Umgang mit Künstlicher Intelligenz bieten soll.
Die Bundesregierung schlüsselt die finanziellen Mittel detailliert auf. Für den DigitalPakt Alter flossen von 2021 bis 2025 rund 4,93 Millionen Euro, für den Digitalen Engel im selben Zeitraum (ab 2020) rund 2,83 Millionen Euro. Hinzu kommen kleinere Programme: Die Servicestelle „Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen“ erhielt von 2020 bis 2022 insgesamt rund 323.000 Euro, das Projekt „Digitale Souveränität älterer Menschen mit KI-Technologien fördern“ rund 490.000 Euro (2020–2022) und das Projekt „KI für ein gutes Altern“ rund 636.000 Euro (2022–2025).
Evaluationen auf Basis von Befragungen zeigen laut Bundesregierung eine hohe Zufriedenheit: 94 Prozent der Teilnehmenden bewerteten die Angebote positiv, 99 Prozent stimmten den Aussagen zu, ihre Fragen seien beantwortet und alles verständlich vermittelt worden. Gleichzeitig äußerte rund die Hälfte der Nutzenden weiteren Unterstützungsbedarf, etwa ein Drittel geht von einem regelmäßigen Bedarf aus.
Die Bundesregierung räumt allerdings ein, dass kausale Rückschlüsse auf die Wirksamkeit einzelner Programme wissenschaftlich nicht möglich seien. Steigende Nutzungsquoten und Kompetenzniveaus älterer Menschen würden auch durch demografische Effekte beeinflusst – etwa durch das Nachrücken digitalaffinerer Jahrgänge und das Versterben hochaltriger Offliner:innen.
Gemäß Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung den DigitalPakt Alter und den Digitalen Engel bis Ende 2029 verlängert. Ab 2027 soll ein eigenes Förderprogramm speziell für Kommunen hinzukommen, um „tragfähige, wohnortnahe Strukturen und die Stärkung der digitalen Daseinsvorsorge auf kommunaler Ebene voranzutreiben“, so die Antwort der Bundesregierung. Die im Koalitionsvertrag angekündigte altersübergreifende digitale Kompetenzoffensive befindet sich noch in der Konzeptionsphase; ein Beteiligungsprozess zur Ausgestaltung soll 2026 stattfinden.
Die Bundesregierung bekräftigt das Prinzip „digital zuerst, aber nicht digital ausschließlich“: Digitale Verwaltungsverfahren würden priorisiert, ohne analoge Zugänge grundsätzlich auszuschließen. Unterstützungsangebote sollen für alle gewährleistet werden, die digitale Angebote nicht nutzen können oder möchten.
Auf die Frage, wie ältere Menschen selbst in Konzeption und Evaluation digitaler Programme einbezogen werden, fällt die Antwort der Bundesregierung knapp aus: Für die Konzeption der Projekte seien die Zuwendungsnehmer:innen verantwortlich, die sich auf ihre Expertise und die Einbeziehung verschiedener Zielgruppen stützten. Einen systematischen Einbezug älterer Menschen durch den Bund selbst beschreibt die Antwort nicht.
Laut der Datenbank des DigitalPakt Alter stehen bundesweit derzeit 1.659 lokale Lern- und Beratungsangebote zur Verfügung (Stand 23. Februar 2026). Der weitere Ausbau soll sich laut Bundesregierung besonders auf strukturschwache Gebiete und ländliche Räume konzentrieren.
Die vollständige Antwort der Bundesregierung ist als Bundestagsdrucksache 21/4453 öffentlich zugänglich. Weitere Informationen zum DigitalPakt Alter finden sich unter digitalpakt-alter.de, zum Digitalen Engel unter digitaler-engel.org und zum Kompetenznetzwerk KI & Alter unter ki-und-alter.de.
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