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Medizinischer Dienst Bayern verzeichnet fast eine Million Vorgänge

Der Medizinische Dienst Bayern hat im Jahr 2025 deutlich mehr Aufträge bearbeitet als im Vorjahr. Laut dem aktuellen Jahresbericht stieg die Zahl der Begutachtungen, Stellungnahmen, Prüfungen, Kontrollen und Beratungen auf knapp 960.000. Im Vorjahr waren es 907.000 Vorgänge. Die Steigerung spiegelt laut dem MD Bayern den wachsenden Bedarf an medizinischer und pflegerischer Versorgung in Bayern wider.

Prof. Dr. Claudia Wöhler und Dr. Christine Adolph
Prof. Dr. Claudia Wöhler und Dr. Christine Adolph, Vorständinnen des Medizinischen Dienst Bayern Foto: Medizinischer Dienst Bayern

Insgesamt war die Einrichtung im vergangenen Jahr für die Begutachtung und Beratung von rund 9,05 Millionen Mitgliedern der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Bayern zuständig. Die Steigerung um rund 53.000 Vorgänge spiegelt laut dem Medizinischen Dienst Bayern den wachsenden Bedarf an medizinischer und pflegerischer Versorgung im Freistaat wider.

Medizinische Begutachtungen: Stationäre Leistungen dominieren

Im medizinischen Bereich führte der Dienst laut Jahresbericht insgesamt 472.076 Begutachtungen, Stellungnahmen, Beratungen, Abrechnungsprüfungen, Strukturprüfungen und Qualitätskontrollen durch. Den größten Anteil machten dabei mit 41,8 Prozent die stationären Leistungen aus. Auf Arbeitsunfähigkeitsprüfungen entfielen 22 Prozent, auf Leistungen zur Vorsorge und Rehabilitation 14,2 Prozent. Hilfsmittel-Begutachtungen schlugen mit 7,6 Prozent zu Buche, ambulante Leistungen mit 5 Prozent. Weitere Anteile entfielen auf neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (3,9 Prozent), sonstige Anlässe (3 Prozent), Medizinrecht (1,8 Prozent) und Zahnmedizin (0,8 Prozent).

Ein Schwerpunkt der Arbeit lag laut der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden und Leitenden Ärztin Christine Adolph in der Umsetzung der Leistungsgruppenprüfungen, die aus dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz und den Änderungen des Krankenhausreformanpassungsgesetzes resultieren. In Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren in Bayern habe man ein möglichst aufwandsarmes Prüfverfahren für die Leistungsgruppen entwickelt.

Pflege: Über 380.000 Begutachtungen zur Pflegebedürftigkeit

Der Pflegebereich machte mit 487.888 Vorgängen den größeren Teil der Gesamtarbeit aus. Davon entfielen laut dem Jahresbericht 453.407 auf Begutachtungen und Stellungnahmen in der Pflegebegutachtung, 30.846 auf Beratungen sowie 3.635 auf stationäre und ambulante Qualitätsprüfungen. Letztere setzten sich aus 3.458 Regelprüfungen und 177 Anlassprüfungen zusammen.

Allein 380.310 Begutachtungen dienten der Feststellung einer Pflegebedürftigkeit. Die Ergebnisse verteilen sich laut dem Bericht wie folgt: Bei 12 Prozent der Begutachteten wurde keine Pflegebedürftigkeit festgestellt. Pflegegrad 1 erhielten 19 Prozent, Pflegegrad 2 mit 30 Prozent den größten Anteil, gefolgt von Pflegegrad 3 mit 23 Prozent. Auf Pflegegrad 4 entfielen 11 Prozent, auf den höchsten Pflegegrad 5 insgesamt 5 Prozent.

Reformdebatte: Weniger Bürokratie und mehr Digitalisierung als Ziel

Neben der operativen Begutachtungsarbeit bringt sich der Medizinische Dienst Bayern nach eigenen Angaben verstärkt in gesundheitspolitische Debatten ein. Im Fokus stehen dabei Entbürokratisierung, Digitalisierung und Prävention. Konkret nennt der Dienst zwei Vorhaben: den Abbau von Doppelstrukturen zwischen Medizinischem Dienst und Heimaufsicht bei Qualitätsprüfungen in stationären Pflegeeinrichtungen sowie die Initiative „Klartext Pflegedokumentation“, die Pflegefachpersonen durch eine schlankere Dokumentation entlasten soll.

Vorstandsvorsitzende Claudia Wöhler verwies darauf, dass das Gesundheitswesen unter wachsendem Druck stehe: Immer mehr Menschen seien auf Pflege und medizinische Versorgung angewiesen, während die finanziellen Spielräume der Sozialversicherungen schrumpften. Gerade in dieser Lage brauche es eine unabhängige und fachlich fundierte Instanz. Der Medizinische Dienst Bayern wolle durch den konsequenten Abbau von Parallelstrukturen, die Nutzung von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz sowie eine koordinierte Steuerung dazu beitragen, die Versorgung der Versicherten zu verbessern und dauerhaft finanzierbar zu halten. Dafür setze man weiterhin auf den engen Austausch mit Politik und weiteren Partnern.

Den detaillierten Bericht finden Sie hier zum Download