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Ökonom kritisiert Forderungen nach Pflegevollversicherung
Die Pflegeversicherung ist ein Teilleistungssystem und sollte nie eine Vollversorgung garantieren, wie es die Krankenversicherung tut. Das schreibt der Ökonom Georg Cremer in der „Zeit“ und kritisiert damit Forderungen nach einer pflegerischen Versorgung ohne Zuzahlungen für alle.
„Norbert Blüm, Arbeits- und Sozialminister unter Helmut Kohl, hat in den 1990er-Jahren die Pflegeversicherung durchgeboxt“, so Cremer. Bereits damals sei klar gewesen: „Der Pflegebedürftige muss im zumutbaren Umfang zu den Kosten beitragen“. Ein aktueller Bericht aus dem Bundeskabinett hatte große Finanzierungslücken in der Pflegeversicherung offengelegt. Demnach müssten die Abgaben zur Pflegeversicherung künftig weiter steigen – laut Berechnungen auf bis zu 4,2 Prozent bis 2040.
Die Kosten für einen Platz in einem stationären Pflegeheim seien bereits heute hoch. Ein Drittel der Heimbewohner sei auf Sozialhilfe angewiesen, schreibt Cremer in der „Zeit“. Zwei Drittel der Bewohner könnten die Eigenanteile demnach aber selbst stemmen. „Wäre es wirklich fair, alle gleichermaßen von einer Mitfinanzierung der für sie anfallenden Pflegekosten freizustellen, auch jene, die gute Alterseinkommen oder Vermögen haben?“, fragt der Ökonom. Denn das sei die Folge einer Pflegevollversicherung, wie sie viele Sozialverbände forderten.
Politik ist nicht untätig
Die Höhe der aktuellen Beiträge basiere auch auf substanziellen Verbesserungen. Verbände warfen der Politik pflegepolitischen Kahlschlag und Trippelschritte vor. Dabei sei die Politik nicht untätig gewesen, so Cremer. „Als pflegebedürftig gelten seit 2017 auch Menschen mit
kognitiven und psychischen Einschränkungen; davor gingen viele Menschen mit Demenz leer aus“, erklärt er. Auch Tariflöhne und eine Stärkung der Ausbildung würden würden Kosten verursachen. Gute Pflege gelinge aber eben nur mit fair entlohnten Pflegenden.
„In jedem Fall bleibt die Pflege eine Dauerbaustelle mit vielen Konflikten. An oberster Stelle sollte die Entlastung der Pflegekräfte und der pflegenden Angehörigen stehen“, erklärt Cremer. Denn diese trügen schließlich das System.
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