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Österreich stellt pflegende Angehörige an
Im Burgenland (Österreich) werden pflegende Angehörige angestellt, bezahlt und sozialversichert. Das Modell gilt als „Meilenstein“, doch Fachleute und Verbände sehen deutliche Schwächen und bezweifeln die Übertragbarkeit auf Deutschland.
Im österreichischen Burgenland geht man in der Pflege neue Wege: Angehörige, Freund:innen oder Nachbar:innen können dort angestellt werden, um Pflegebedürftige zu Hause zu betreuen. Sie erhalten Lohn, sind sozialversichert und erwerben Rentenansprüche. Gleichzeitig wächst die Kritik an dem Modell.
Anstellung, Lohn und Sozialversicherung für Angehörige
Die Pflege Service Burgenland GmbH stellt pflegende Angehörige offiziell an. Ziel ist laut Landeshauptmann Hans Peter Doskozil „eine sozial gerechtere Angehörigenpflege“. Angesprochen sind Menschen im erwerbsfähigen Alter, die Pflege als Hauptbeschäftigung übernehmen. Bei Vollzeit sind rund 2.000 Euro netto möglich. Voraussetzung ist eine verpflichtende Schulung mit Zertifikat. „Unsere ältere Generation [will] zu 99 Prozent so lange wie möglich zu Hause betreut werden“, so Soziallandesrat Leonard Schneemann.
Finanzierung und bisherige Bilanz
Finanziert wird das Modell über das Sozialhilfegesetz. Ein Teil von Rente und Pflegegeld der Patient:innen fließt in die Bezahlung ein und wird staatlich aufgestockt. Bis Ende 2024 nutzten 630 Personen das Angebot, rund 350 sind aktuell angestellt. Die Kosten liegen bei etwa 30 Millionen Euro. Schneemann argumentiert: „Mit jedem pflegenden Angehörigen kann es nur günstiger werden“, da stationäre Plätze eingespart würden.
Kritik: „Sackgasse“ und begrenzte Wirkung
Kritik kommt unter anderem von den Grünen: Das Modell entlaste das System „nur in geringem Ausmaß“ und könne sich „als Sackgasse für Frauen“ erweisen. Auch der Verein „wir pflegen“ sieht Probleme: Es handele sich teils um ein „Nullsummenspiel für die Familien“ und eine „inakzeptable Verlagerung“ von Entscheidungsspielräumen. Der Soziologe Patrick Schönherr bewertet das Konzept lediglich als „ergänzendes Teilelement“, das nur für bestimmte Familienkonstellationen geeignet sei. (epd)
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