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Pflegekammer NRW warnt: Erweiterte Kompetenzen ohne bessere Bezahlung verschärfen die Krise

Das geplante Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) sieht vor, Pflegefachpersonen künftig mit zusätzlichen Kompetenzen auszustatten – etwa bei der häuslichen Krankenpflege oder der Verordnung von Hilfsmitteln. Damit soll laut Gesetzgeber das Gesundheitssystem entlastet und Kosten gesenkt werden. Die Pflegekammer NRW hält dem entgegen, dass die Rechnung ohne die Pflegenden gemacht werde: „Wenn Pflegefachpersonen mehr Verantwortung übernehmen sollen, muss sich das endlich auch in der Bezahlung widerspiegeln“, sagt Sandra Postel, Präsidentin der Pflegekammer NRW.

Erweiterte Kompetenzen dürften nur dann eingeführt werden, wenn drei Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt seien: klare Aufgaben, weniger Bürokratie, faire Vergütung Foto: AdobeStock/Andrey Popov

Schon heute bestehe laut Pflegekammer ein deutliches Missverhältnis zwischen tatsächlicher Verantwortung und deren Anerkennung. Pflegefachpersonen beurteilen demnach Patient*innen, geben Empfehlungen und bereiten Verordnungen vor – die abschließende Unterschrift und die damit verbundene Vergütung gingen jedoch an Ärzt*innen. Postel bezeichnet diesen Zustand als „nicht länger hinnehmbar“.

Neben der Vergütungsfrage belastet laut Pflegekammer NRW ein weiteres Problem den Berufsstand massiv: der zunehmende Einsatz von Pflegefachpersonen für Tätigkeiten, die nicht zu ihrem eigentlichen Aufgabenbereich gehören. Eine aktuelle Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2025, die im Auftrag der Pflegekammern NRW und Rheinland-Pfalz durchgeführt wurde, liefert dazu konkrete Zahlen. Demnach übernimmt fast jede zweite Pflegefachperson regelmäßig fachfremde Aufgaben. Unter den unter 30-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei mehr als der Hälfte. Insgesamt sind laut der Erhebung fast 80 Prozent der Befragten zumindest gelegentlich von solchen berufsfremden Tätigkeiten betroffen.

Die Konsequenzen sind laut Pflegekammer gravierend: Rund sechs von zehn Pflegefachpersonen denken demnach darüber nach, ihren Beruf aufzugeben. Als Ursachen nennt die Kammer Bürokratie, fachfremde Tätigkeiten und stetig steigende Anforderungen, die dazu führten, dass die eigentliche pflegerische Arbeit am Menschen immer weiter in den Hintergrund rücke. „Wir verlieren die Pflegekräfte nicht irgendwann – wir verlieren sie jetzt“, warnt Postel. Wenn Pflegefachpersonen mehr Zeit mit Dokumentation, Botengängen oder Reinigungsarbeiten verbrächten als mit der Versorgung von Patient:innen, gefährde das unmittelbar die Versorgungsqualität.

Pflegekammer fordert Neuordnung: Klare Aufgaben, weniger Bürokratie, faire Vergütung

Vor diesem Hintergrund verlangt die Pflegekammer NRW eine grundlegende Neuordnung der Rahmenbedingungen. Erweiterte Kompetenzen dürften nur dann eingeführt werden, wenn drei Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt seien: eine klare Definition pflegerischer Aufgaben, eine spürbare Entlastung im Arbeitsalltag und eine angemessene Vergütung. Postel betont, dass eine verbindliche Berufsordnung die Grundlage für das Leistungsrecht bilden müsse. Dafür sei eine gesellschaftliche Diskussion darüber nötig, was Pflege sei und wofür sie bezahlt werde.

Mit der Kampagne #nichtdeinjob macht die Pflegekammer NRW bereits öffentlich auf die Problematik aufmerksam. Ziel ist es laut der Kammer, Pflegefachpersonen über die Berufsordnung zu stärken und ihnen zu ermöglichen, sich wieder auf ihre pflegerischen Kernaufgaben zu konzentrieren. Die Stoßrichtung ist klar: Solange strukturelle Entlastung und finanzielle Anerkennung ausbleiben, dürften zusätzliche Kompetenzen den ohnehin angespannten Pflegeberuf weiter destabilisieren statt ihn aufzuwerten.