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Reform in Schieflage: Warum Pflegenotfälle endlich ins Notfallsystem gehören

Gerade in Pflegekrisen zählt jede Minute – doch das System reagiert oft unkoordiniert. Pflegebedürftige und Angehörige erleben, wie ihnen im Notfall die richtigen Anlaufstellen fehlen. Experten warnen: Solange pflegerische Notlagen nicht systematisch erfasst und gelenkt werden, bleibt die Versorgung lückenhaft. Eine integrierte Notfallstruktur könnte verhindern, dass Menschen unnötig in die Klinik müssen.

Notfall Medizin Krankenhaus
Pflegebedürftige und Angehörige erleben, wie ihnen im Notfall die richtigen Anlaufstellen fehlen. Emergency Department: Doctors, Nurses and Paramedics Push Gurney / Stretcher with Seriously Injured Patient towards the Operating Room. Bright Modern Hospital with Professional Staff Saving Lives.

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) und der Intensivmediziner Prof. Christian Karagiannidis haben eine engere Verzahnung von medizinischer und pflegerischer Notfallversorgung gefordert. Beide Reformprozesse – die geplante Notfallreform des Bundes und die Vorschläge im „Zukunftspakt Pflege“ – würden bislang weitgehend getrennt voneinander diskutiert, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung vom 23. Februar.

Gerade für multimorbide und pflegebedürftige Menschen sei die parallele Entwicklung getrennter Versorgungswege „weder sinnvoll noch sachgerecht“. Pflegebedingte Notfälle gehören inzwischen zu den häufigen Einweisungsgründen in Krankenhäuser aller Versorgungsstufen. Die Organisationen warnen vor Fehlentwicklungen, sollten die Gesetzgebungsverfahren nicht stärker verzahnt werden.

Die Verfasser – darunter neben Karagiannidis auch die KDA-Experten Prof. Thomas Klie, Michael Ranft und Vorständin Alexia Zurkuhlen – formulieren fünf zentrale Forderungen:

  1. Aufbau einer integrierten medizinisch-pflegerischen Notfallversorgung. Deutschland verfüge bislang über kein sektorenübergreifendes Gesamtkonzept. Perspektivisch könnten Community Health Nurses eine Schlüsselrolle übernehmen.
  2. Ersteinschätzung über bestehende Leitstellen. Pflegerische Notlagen sollten grundsätzlich über 112 oder 116117 triagiert werden. Die Autoren schlagen eine interne Weiterleitung an eine spezialisierte Pflegenotfallnummer vor – nach Vorbild etwa aus Niederösterreich.
  3. Regionale Interventionsteams etablieren. Wo telefonische oder telepflegerische Beratung nicht ausreiche, seien mobile, multidisziplinäre Einsatzteams notwendig.
  4. Regionale Versorgungszentren und Notfallpflegeangebote ausbauen. Wenn eine häusliche Versorgung nicht möglich sei, sollten pflegerische Notfälle vorrangig in Primärversorgungs- oder Regionalzentren sowie in ambulanten oder teilstationären Notfallpflegeeinheiten betreut werden – auch in Kooperation mit Pflegeeinrichtungen.
  5. Pflegefachliche Begleitung für alle Pflegebedürftigen. Eine kontinuierliche Betreuung könne Notfällen vorbeugen. Dafür müsse die Dokumentation verbindlich mit der elektronischen Patientenakte (ePA) verknüpft werden.

Als Beispiel für funktionierende Modelle verweist das KDA auf Projekte in Wiesbaden, bei denen Kooperationen zwischen Rettungsdienst und Altenhilfe zu einer deutlichen Entlastung der Kliniken geführt hätten.