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Tagespflege als Wachstumstreiber für ambulante Pflegedienste

Tagespflege stabilisiert ambulante Pflegedienste wirtschaftlich, entlastet Angehörige und erschließt neue Zielgruppen – vorausgesetzt, sie wird strategisch geplant und klug integriert. Das sagen Unternehmensberater Andreas Heiber und Steuerberater Rainer Berg im Gespräch auf der ALTENPFLEGE in Nürnberg.

Rainer Berg (li.) und Andreas Heiber beim Austausch am Vincentz Network-Stand auf der ALTENPFLEGE. Foto: Asim Loncaric

Ambulante Pflegedienste stehen unter Druck: Fachkräftemangel, steigende Kosten und bürokratische Hürden belasten die Branche. Tagespflegeeinrichtungen bieten hier eine große Chance – als wirtschaftliches Standbein und als Entlastung für pflegende Angehörige. Doch wie gelingt der Einstieg, und worauf kommt es an?

„Die Nachfrage wächst, aber das Angebot hält nicht Schritt“, sagt Unternehmensberater Andreas Heiber im Gespräch mit Häusliche Pflege-Redakteur Asim Loncaric auf der ALTENPFLEGE am 9. April in Nürnberg. „Wir haben bundesweit nur etwa 2,1 Tagespflegeplätze auf 100 Pflegebedürftige – und diese Quote stagniert.“ Dabei sei Tagespflege längst mehr als ein Nischenangebot. Steuerberater Rainer Berg sieht eine zunehmende Akzeptanz: „Früher wurden fünf Tage gebucht, heute sind es oft nur zwei oder drei – aber das reicht, um neue Zielgruppen zu erschließen.“

Entscheidend sei Flexibilität. „Viele Angehörige wünschen sich ein oder zwei freie Tage pro Woche“, so Heiber. Tagespflege könne darauf mit angepassten Öffnungszeiten reagieren. „Sie ist mehr als Betreuung – sie bringt auch Entlastung ins häusliche Umfeld“, ergänzt Berg. Heiber nennt ein Beispiel aus der Praxis: „Eine Einrichtung lud Angehörige mit dem Slogan ein: ‚Gönnen Sie sich einen Wellnesstag, während Ihr Vater gut versorgt ist.‘ Das kam sehr gut an.“

Kalkulation, Auslastung, Integration

Doch wirtschaftlich ist Tagespflege kein Selbstläufer. „Die ersten zwölf Monate sind eine Durststrecke“, warnt Berg. „Die meisten erreichen erst dann die volle Auslastung – darauf muss man vorbereitet sein.“ Auch die Entscheidung für einen Neubau sollte gut überlegt sein. Heiber: „Wer nicht vom Bau kommt, sollte besser auf Kooperationen oder Bestandsimmobilien setzen. Viele haben sich mit überteuerten Mietverträgen oder unrealistischen Planungen übernommen.“

Wichtig sei auch die Größe: „Ab 20 Plätzen wird es wirtschaftlich interessant“, so Berg. Die Auslastung sei dabei entscheidend: „90 Prozent sind gut, 80 Prozent wird eng, darunter wird es kritisch.“ Und: „Regionale Unterschiede machen viel aus – etwa bei der Weiterfinanzierung im Krankheitsfall.“

Erfolgsfaktor sei zudem die enge Verzahnung mit dem ambulanten Dienst. „Pflegedienst und Tagespflege unter einem Dach – das stärkt nicht nur die Abläufe, sondern auch das Vertrauen“, so Heiber. Berg ergänzt: „Wer bereits viele ambulante Kunden hat, kann Tagespflegeplätze leichter füllen – wenn die Integration gelingt.“

Strategisch denken – und solide planen

Beide Experten raten mittelständischen Anbietern zur strategischen Erweiterung. „Tagespflege stabilisiert die Wirtschaftlichkeit und sichert Kundenbindung“, sagt Heiber. „Wer keine ergänzenden Angebote schafft, riskiert, Kunden an Wettbewerber zu verlieren.“ Berg betont: „Tagespflege ist eine echte Chance – aber nur mit klarem Plan und realistischen Zahlen.“

Ihr gemeinsames Fazit: „Tagespflege ist ein zentraler Bestandteil zukunftsfähiger Pflegeunternehmen“, so Heiber. „Wer strategisch handelt, kann hier nur gewinnen.“ Berg ergänzt: „Nicht Hoffnung, sondern solide Planung ist die Grundlage für langfristigen Erfolg.“

 

Die ALTENPFLEGE findet wieder vom 21. bis 23. April 2026 in Essen statt.