Pflegepolitik
Bündnis Zukunftsfeste Pflege: 260 Teilnehmende beim ersten Bürgerdialog
Das Bündnis „Zukunftsfeste Pflege“ startet in 26 Orten Mecklenburg-Vorpommerns einen landesweiten Bürgerdialog zu den Problemen in der Pflege. Zum Auftakt in Neubrandenburg kamen neben Spitzenvertretern des Pflegeverbandes und von Krankenkassen auch Landespolitiker.
Der Organisator des öffentlichen Dialogforums, Maik Wolff vom Pflegebündnis MV, erwartete im Vorfeld eine kontroverse Debatte. Bürgerinnen und Bürger seien eingeladen und auch aufgefordert, ihre Fragen zu stellen. Die Vorstellungen über die Lösung der strukturellen, finanziellen und personellen Herausforderungen in der Pflege und der Pflegeversicherung lägen bislang noch weit auseinander, sagte Wolff.
Würden die Probleme aber nicht bald und nachhaltig gelöst, drohe sich die Pflegekrise in eine gesamtgesellschaftliche Krise auszuwachsen: „Wer sich um seinen Angehörigen kümmern muss, weil er keinen Pflegedienst findet oder sich diesen nicht leisten kann, der fehlt am Arbeitsplatz, der fehlt in der Wirtschaft“, warnte Wolff. Über Jahrzehnte hinweg hätten mehrere Bundesregierungen notwendige Reformen immer wieder aufgeschoben und damit die Lage weiter verschärft.
Nach Angaben des Verbandes der Ersatzkassen beliefen sich im Jahr 2022 die Ausgaben im Rahmen der Pflegeversicherung bundesweit auf 60 Milliarden Euro. Die Einnahmen hingegen hätten lediglich bei 57,8 Milliarden Euro gelegen. Zudem seien die privaten Ausgaben für die pflegerische Versorgung in Heimen weiter gestiegen, aktuell auf durchschnittlich 2783 Euro pro Monat und Platz. Für das Jahr 2023 zeichnet sich erneut ein Kostensprung bei den Pflegeleistungen ab.
Nach Ansicht Wolffs gibt es Indizien dafür, dass die Finanzierung der Pflege schon bald nicht mehr gewährleistet werden könne. „Wir steuern auf eine Notlage zu.“ Das Bündnis „Pflege in Not“ hatte mehrfach auf die unzureichende finanzielle und personelle Ausstattung in der ambulanten und stationären Pflege hingewiesen und sich auch an den jüngsten Protesten gegen die Politik der Bundesregierung beteiligt. Im ländlichen Raum seien Pflegedienste oft nur noch vereinzelt zu finden und in den Städten müssten sie wegen Personalknappheit die Aufnahme neuer Patienten mitunter ablehnen, berichtete Wolff.
Maik Wolff: „Eine Verweigerungshaltung die Pflegebedürftigen, pflegenden Angehörigen und allen Leistungserbringern tagtäglich begegnet. Wer die Zahlen der Insolvenzen und Betriebsschließungen im Pflegebereich immer noch negiert und durch angeblich ausreichende Neugründungen verharmlost und schön redet, der ignoriert die Realität und ist weit von gemeinsamen Lösungen entfernt. Es ist kein Geheimnis der Branche, dass die Selbstverwaltung suboptimal funktioniert, dass Verzögerungstaktiken, Verweigerungshaltungen und Schiedsstellenverfahren den Alltag aller Leistungserbringer betreffen. 2024 muss das Jahr des gemeinsamen Problemverständnisses, gemeinsamer Lösungen und gemeinsamer Maßnahmen werden.“
https://www.pflegeleidenschaft.de/
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